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c’t: Scheinheilige, käufliche Blogger

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In der aktuellen Ausgabe der c’t (Ausgabe 10 vom 18.04.2015) hat Nico Jurran, seines Zeichen Yoga-Blogger, einen wirklich guten Artikel zur Käuflichkeit von Bloggern und Online-Influencern geschrieben. Statt der üblichen Pauschalisierungen, die man sonst so liest und die ich zugegebener Weise sogar in der c’t erwartet hatte beim Überfliegen des Covers (Gekaufte Blogger), findet man auf Seite 134ff. einen wirklich angenehm fundierten Artikel mit allerlei Beispielen von der „Rock the Blogs 15“-Veranstaltung, die parallel zur Cebit dieses Jahr stattgefunden hat. Die ganze c’t kostet 4,20 Euro, den Artikel kann man sonst online für 3,50 Euro lesen.

Ich selbst bemühe mich ja stets bei meinen Publikationen immer Werbung entsprechend zu kennzeichnen. Aber selbst ich „alter Hase“ habe es versäumt die Amazon-Affiliate-Link hier bisher entsprechend zu kennzeichnen, was ich dann mal gleich nachholen werde. Na dem Lesen des Artikels bin ich doch recht schockiert, wie viele Kollegen wirklich meinen, dass versteckte Werbung vollkommen in Ordnung ist. Selbst im Bereich der Autoblogger sieht man immer mal wieder ungekennzeichnete Werbung, wo wir ja für das Gros der Werbebranche mangels Lifestyle-Aspekt eher uninteressant sind.

Zudem kann ich Nico Jurran nur beipflichten, dass die Industrie sich mittlerweile mehr als ätzend verhält. Statt mit uns Blogger zu reden und zu überlegen, wie man die zu bewerbenden Industrie-Produkte wirklich sinnvoll in der Publikation unterbringt, kommen stattdessen Angebot, die im Prinzip nichts anderes darstellen als einen schnöden, von Google bei Auffliegen hart bestraften, Link-Kauf. Ähnlich schlimmm finde ich zudem die ganzen PR-Agenturen, die meinen besser als ich zu wissen, welche Inhalte für meine Leser doch hach-so-interessant sein sollten. Und selbst die Hersteller sind sich mittlerweile nicht zu schade dafür, uns Blogger aufzufordern doch mehr über ihre Marketing-Aktivitäten zu schreiben – kostenlos, selbstverständlich.

Nico endet seinen Artikel mit den Worten „Auf lange Sicht dürfte auch der letzte Blog-Leser bemerken, dass sich manche Blogger für zweifelhafte Aktionen vor den Karren der Werbeindustrie spannen lassen.“ Ich denke über diesen Satz sollte die Industrie sehr genau nachdenken. Klar ist ohnehin, dass „wir Blogger“ in der Regel in Sippenhaft genommen werden. Aus „manche Blogger“ wird dann schnell „die Blogger“. Und somit zerstört die Industrie genau das Konstrukt, von dem sie doch eigentlich profitieren wollen: Authentische Berichterstattung von unabhängigen Personen. Aus meiner Sicht besteht hier dringend Handlungsbedarf – branchenunabhängig. Als Einstieg in diese Überlegungen liefert auf jeden Fall das Video „Techblogger vs. Content Marketing: Panel bei Rock the Blog 2015“ mit Sascha Pallenberg und Matthias Schrader eine gute Basis.

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  1. Funny thing: Wir bekommen im Palasthotel immer öfter Anfragen von SEO-Agenturen, die gerne wollen, dass wir Spam-Kommentare löschen, die sie vor einer Weile selbst in den Seiten platziert haben, und die jetzt abgestraft werden …

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