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‪#‎BloggerFuerFluechtlinge‬

8 Kommentare

Ich bin das personifizierte Beispiel für Politikverdrossenheit. Ich kann das alles einfach nicht mehr ertragen, was unsere Volksvertreter da tagein tagaus produzieren oder schlimmer noch – nicht produzieren. Ich schaue schon kaum noch die Tagesschau, weil ich einfach die Nachrichten nicht mehr ertragen kann. Ich bin nicht uninformiert, mit einem Computerarbeitsplatz muss man sich schon sehr dämlich anstellen, um nichts vom Tagesgeschehen mitzubekommen. Die jüngsten Entwicklungen in unserem Land schockieren mich. Neulich habe ich im Radio aufgeschnappt, dass einer Verantwortliche sagte, dass es schon so wäre, dass man die Zeichen eines verstärkten Flüchtlingsanstiegs zwar registriert, aber eben nicht richtig reagiert hätte. Soll heissen, unsere Volksvertreter wussten, dass da ein großer Strom Flüchtlinge kommt, aber sie haben eben nicht gehandelt. Und jetzt pfercht man die Flüchtlinge in Turnhallen ein. Oder noch schlimmer in Zelte.

In Bielefeld ist man gerade dabei, eine Turnhalle bereitzustellen. Für den Notfall. Dazu gab es – ich habe bei Radio Bielefeld nur mit einem Ohr zugehört – eine Fragerunde. U.a. wurde aus der Bevölkerung, wie es mit der Sicherheit aussehen würde für die Anwohner. Man hätte ein wenig Angst vor kriminellen Flüchtlingen. Ich denke, das ist jetzt nicht schon verwerflich. Auf jeden Fall ist eine Frage viel besser als ein pöbelnder Mob, der Flüchtlinge mit einer kriegsähnlichen Belagerung empfängt wie in Heidenau geschehen.

Dramatisch oder besser katastrophal verhalten sich die Behörden bei der Unterbringung der Kinder. So ist mir zu Ohren gekommen, dass Flüchtlingskinder in die Schulen gesteckt werden. Soweit prima. Natürlich bekommen die Lehrkräfte keine zusätzliche Unterstützung – Sozialarbeiter, Psychologen, Übersetzer? – Wozu? Sollen die Lehrer mal alleine machen. Hier in OWL hat man pro Altersstufe Schulen festgelegt. Nimmt man also mal eine Flüchtlingsfamilie mit zwei Kindern. Das eine kommt in die erste Klasse, das zweite in die dritte Klasse. Dann wird Kind 1 in Schule 1 verfrachtet und Kind 2 in Schule 2. Bustickets für die Kinder werden gestellt – für die Eltern nicht (bzw nur eine Woche lang). Du bist also ein 7jähriges Kind, was in Syrien ausgebombt wurde. Nach einer langen Odyssee kommst Du in Bielefeld an. Wirst in eine Schule gesteckt, wo Dich kein Mensch verstehst und sollst dann auch noch in der Fremde mal eben alleine mit dem Bus ins Nirgendwo fahren. Wer hat sich denn bitte diesen Schwachsinn ausgedacht? Behörden. Ja. Ne. Ist klar! Wahrscheinlich fehlt nur mir die entsprechende Weitsicht, damit ich die klaren Vorteile dieser Lösung verstehe. Achso. Stundenten mit arabischen Sprachkenntnissen darf man auch nicht als Übersetzer in die Schule lassen. Versicherungstechnisch und so.

Das für mich wichtigste und beste Statement in der ganzen Angelegenheit kommt von einem geschätzten Kollegen, der neulich bei Facebook genau die einzig richtige Antwort gab.

These: Wir können noch so viele Flüchtlinge aufnehmen. Dadurch lösen wir jedoch das Problem nicht. Da ist der Fehler.
Einzige richtige Antwort: Wenn ein Mensch im Feuer steht, holt man ihn da raus – anstatt das Feuer zu bekämpfen.*

Allerdings sollte man ihn dann auch nicht nackt und allein auf der Strasse stehen lassen. Angela Merkel setzt ja ganz klare Signale, was sie von der ganzen Problematik hält: „Kann man aussitzen!“ Schockierend. Wäre ich nicht so schrecklich politikverdrossen, dann würde ich Neuwahlen fordern. Unser Staat fühlt sich kopf- und führungslos an. Verstehe auch nicht, warum unser Bundespräsident nicht unlängst mal das Wort im Rahmen einer Fernsehansprache an sich gerissen hat. Ist wohl auch im Urlaub.

Immerhin, ein paar Leute aus #Neuland engagieren sich. Und helfen uns, dass wir uns wenigstens vom schlechten Gewissen des Nichtstuns in der Sache freikaufen können. Unter Betterplace.org werden Spenden gesammelt, die den Flüchtlingen zugute kommen. Wer aktiv in Bielefeld helfen möchte, der sollte sich die Seiten Geflüchtete willkommen in Bielefeld oder Arbeitskreis zur Beratung und Unterstützung von Flüchtlingen ansehen.