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#wastegate #dieselgate und das Schweigen des kleinen Jans

10 Kommentare

Ganz ehrlich? Isch könnt KOTZEN! In so vielerlei Hinsicht. Mich kotzt dieser SKANDAL so an. Mich kotzt das alles so an, weil es vor allem eins ist – vollkommen sinnlos. Dieser ganze vermeintliche Skandal ist einfach nur sinnlos. Mein Herz schlägt links und ich bin grün erzogen worden. Selbstredend bin ich also gesellschaftspolitisch gerne dabei gegen die bösen großen Konzerne auszuteilen, vor allem, wenn sie Mutter Natur ausbeuten.

VW hat also betrogen. Das ist wohl das richtige Wort, was man gerade so nutzt. In anderen Branchen spricht man davon, dass man die Werte geschönt hat. VW baut Autos, sie haben es eben drauf Werte mit Hilfe ihrer Technik zu schönen. Das soll sich nicht verharmlosend anhören. Ich halte das eher für mich nur fest. Viel gelesen habe ich in den letzten Tagen. Und auch Radio gehört. Und ich bin wirklich baff erstaunt, wie viele Auto-Experten es plötzlich gibt. Und die Sprüche, die ich aus meinem Umfeld höre, zeigen mir auch ziemlich deutlich, dass keiner so wirklich verstanden hat, worum es eigentlich geht.

Ich möchte kotzen, weil diese verdammte Sensationsgeilheit in unseren Breiten wohl langsam zum guten Ton gehört. Dieses Zwangs-Echauffieren. Das muss man heute einfach tun, um dabei zu sein, oder was? Ich möchte hier mal ein paar Stellen zitieren, die mir gefallen haben:

Börsenmarkler und Buchautor Dirk Müller bei N-Tv.de:

Die Kanzlerin meldet sich umgehend zu Wort, noch bevor belastbare Fakten auf dem Tisch liegen. Ministerpräsidenten treffen sich zu Sondersitzungen. Wo war denn eigentlich diese Empörung, als die Deutsche Bank von einem Milliardenskandal zum nächsten überging? Devisenmanipulation, Zinsmanipulation, Immobilienskandale, alles in Milliardenhöhe. Wo war hier die Empörung über das verlorene Vertrauen in die deutsche Wirtschaft? Wie viele Vorstände der Deutschen Bank sind deswegen zurückgetreten? Weniger als einer?

AMEN!

Bei General Motors und Ford dürften dieser Tage die Champagnerkorken knallen. Die defekten Zündschlösser bei GM führten zu 174 Toten und wurden mit einer Strafe von 900 Millionen US-Dollar geahndet. Bei Volkswagen spricht man nun über 18 Milliarden US-Dollar Strafe wegen geschönter Abgaswerte.

So sieht es aus.

Peter Ruch in der aargauerzeitung.ch:

Doch der Fehler liegt im System. Die AutoIndustrie, eine der grössten und mächtigsten überhaupt, ist getrieben vom kapitalistischen Grundgedanken. Immer mehr, immer grösser muss es sein. Dafür geht man in Wolfsburg, Detroit oder Tokio jedes Risiko ein – und auch über alle Vorschriften hinweg. Theoretisch müsste die Politik da ein Auge darauf haben. Doch es geht um Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Handelsbilanzen. Da kann doch so ein – eh ziemlich aus der Luft gegriffener – amerikanischer Stickoxid-Grenzwert kein Thema sein. Schon gar nicht für Unternehmenschefs wie Prof. Dr. Martin Winterkorn. Der musste sich immer ums grosse Ganze kümmern. Um 200 Milliarden Jahresumsatz. Da hüpften Brüssel, aber auch Berlin und Bern, gerne mit. Denn man weiss, wohin der Hase läuft.

Fabian Mechtel bei Asphaltfrage.de

Man sollte diese Affäre deshalb für einen Aufbruch nutzen. Für einen Aufbruch in ein Zeitalter der echten Innovation. Nicht in eines, in der auf der Glitzerwelt der IAA ein Fastdreitonnen-SUV parkt, dessen 150’000-€-Chronograph sich selbst aufziehen kann und dessen 600-PS-Zwölfzylinder auf dem Papier (der pure Hohn!) gerade einmal 12+ Liter verbraucht. Eher in ein Zeitalter, in dem Erfindergeist die Probleme zukünftiger Mobilität löst. Und damit meinen wir keine autonom fahrenden Connectivitäts-Schaukeln, deren Inbetriebnahme alleine so viele rechtliche Probleme aufwerfen würde, dass unsere Politik nicht einmal einen Bruchteil davon zu lösen im Stande wäre. Weil sie die Karre ja schon bei profaner Abgasregulierung in den Dreck gefahren hat…

Ob ich keine eigene Meinung habe? Doch habe ich. Ich kann sie bloss nicht artikulieren. Ich habe gelernt, hin und wieder meinen Mund zu halten, wenn meine Gedanken zu radikal für unsere Gesellschaft sind. Irgendwie spukt mir die ganze Zeit diese Sequenz aus „Eine Frage der Ehre“ durch den Kopf: „Was wollen Sie?“ – „Ich will die Wahrheit!“ – „SIE KÖNNEN DIE WAHRHEIT DOCH GAR NICHT ERTRAGEN!“

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  1. AMEN! Sage ich da auch. Auf der IAA war der Anachronismus wieder zu beobachten. In Halle 3 unten präsentierte sich der Volkswagen-Konzern und es war bumsvoll. In Halle 3 oben war die New Mobility World und es war Totentanz. So lange dem einfachen Käufervolk die neuen Mobilitätskonzepte nicht von allen Herstellern schmackhaft gemacht werden, werden diese ein Nischenprodukt bleiben. Insgeheim hoffe ich ja, das andere Hersteller auch Dreck am Stecken haben hinsichtlich der Abgaswerte, so daß man zu einem Paradigmenwechsel gezwungen wird.

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